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In jedem Leben gibt es wichtige Phasen, Neubeginn und Abschied, Übergänge. Und es gibt äußere Einschnitte (Schulwechsel, Wohnortwechsel), Geburt von Geschwistern, Festtage der Familie, besonders schöne Tage im Leben, besonders schmerzliche Tage, Verluste, Trennungen. Biografiearbeit (»life-story-work«) ist eine im angelsächsischen Raum schon lange angewandte, strukturierte Methode, Kindern und Jugendlichen in konkreter Weise bei der Rekonstruktion ihrer Vergangenheit zu helfen. Sie hilft, Erlebtes zu ordnen und zu klären, hilft, Vergangenheit und Gegenwart zu verknüpfen und damit sicherer in die Zukunft zu sehen. Biografiearbeit gibt Kindern und Jugendlichen einen festen Platz für ihre Geschichte, ihr Land, frühere Lebensorte, verlorene Familienmitglieder oder Vorfahren und hilft ihnen, ihre aktuelle spezifische
Lebens-
oder Familiensituation (Einelternfamilie, Stieffamilie, Wohngruppe, Heim, Pflegefamilie, Adoptivfamilie) besser einzuordnen und anzunehmen.
Biografiearbeit eignet sich für Kinder in neu zusammen gesetzten Familien, Kinder bei Trennung und Scheidung der Eltern sowie für Kinder von Alleinerziehenden. Vor allem aber ist sie geeignet für Kinder und Jugendliche, die von Migration, Fremdplatzierung in Pflege- oder Adoptivfamilien oder in Heime betroffen sind oder die Trauer und Verlust verarbeiten müssen. Darüber hinaus eignet sie sich für Kinder von physisch oder psychisch kranken Eltern, für Kinder von
drogen-
oder alkoholabhängigen Eltern, Kinder von Eltern, die mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind. Aber sie ist auch für alle anderen Kinder und Jugendlichen geeignet, denn auch sie benötigen die Stabilisierung ihrer Persönlichkeit oder haben Fragen der Identitätsklärung: Wem in meiner Familie sehe ich ähnlich? Von wem habe ich welche Eigenschaften »geerbt«? Von wem habe ich bestimmte Gewohnheiten übernommen? Worin unterscheide ich mich von anderen? Auch Fragen zur Geschlechtsrollenidentität (Mädchen sein, Junge sein) sind Thema in der Biografiearbeit.
Biografiearbeit kann eine wertvolle Ergänzung der pädagogischen, beratenden Begleitung / Betreuung von Kindern und Jugendlichen in ganz unterschiedlichen Institutionen sein. Sie kann entweder von der Beratungs- oder Betreuungsperson selbst mit dem Kind oder Jugendlichen gestaltet werden, auch in Gruppen, oder die Eltern / Elternteile können angeleitet werden, mit ihren Kindern Biografiearbeit durchzuführen.
Es gibt eine große Bandbreite von Methoden: von spielerisch, niedrig dosiert bis zu emotional tief gehend. Wichtig ist ein konkretes Ergebnis, das immer wieder angefasst und angeschaut werden kann, eine Dokumentation, ein Produkt: ein Lebensbuch, ein Lebensbrief, eine Videokassette, ein Ordner mit Schriftstücken, Fotos, gemalten Bildern, ausgefüllten Vorlagen, Grafiken, Zeittafeln, Chroniken, Landkarten u.v.a.m.
Fachliche Voraussetzungen und Rahmenbedingungen sowie ein erster Überblick über die Vielfalt methodischer Ansätze werden in diesem Seminar vermittelt.
Fachkräfte aus der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen
Irmela Wiemann, Weinbach (D), Diplom-Psychologin, Familientherapeutin, Autorin. Langjährige Mitarbeiterin in der Kinder-Jugend-Eltern-Beratung: Erfahrung in Beratung von Familien mit verhaltensauffälligen Kindern und Jugendlichen, Familien in Ausnahmesituationen oder besonderen Krisen (Trennung und Scheidung, Stieffamilien, Pflege- und Adoptivfamilien), Praxisberatung von Fachkräften in der Jugendarbeit (Tagesstätten, Wohngruppen, Kinderdörfer, Heime). Weitere Informationen und Veröffentlichungen: www.irmelawiemann.de
Schloss Hofen, Hoferstraße 26, 6911 Lochau
Einige wenige Zimmer sind im Schloss verfügbar, müssen jedoch selbst gebucht werden (
gastronomie@schlosshofen.at
oder Telefon +43 5574 4930 0).
7. – 9. Oktober 2008, 9:00 – 18:00 Uhr
Jeweils 9:15 bis 16:45 Uhr
€ 350,– inkl. 10% MwSt., Seminarunterlagen und Pausengetränke
Schloss Hofen – Veranstaltungszentrum Kapuzinerkloster Bregenz
Kirchstraße 38
A-6900 Bregenz
Tel.: +43 5574 43046
E-mail:
soziales@schlosshofen.at
Institut für Sozialdienste (IfS)